Gedanken zum 1. Adventsonntag

 

 

 

Neujahr feiern wir in der Kirche - nicht erst am 01. Januar. Wieder mal ne „Extrawurst“ der Kirche?

 

Aus gutem Grund:

 

Wir beginnen das neue Kirchenjahr am Ersten Adventsonntag, also mit dem Beginn der Vorbereitungszeit auf das Fest der Geburt des Herrn. Am 25. Dezember feiern wir dieses große Fest: das irdische Leben unseres Herrn beginnt. Es ist das Leben, das Jahre später am Kreuz endet - nein, nicht am Kreuz, sondern erst an Ostern.

 

Advent bedeutet ja nichts anderes als „Ankunft“.

 

Es kommt der, der durch sein Leben und Sterben und Auferstehen nichts anderes bezeugt als: Gott ist der, der mit mir geht.

 

Aber das ist leichter gesagt als geglaubt und gelebt.

 

Am ersten Adventsonntag wird in der ersten Lesung ein Abschnitt vom Propheten Jesaja vorgetragen (Jes 63,16b-17.19b;64,3-7). Der Prophet lebte rund 700 Jahre vor Christi Geburt - und seine Worte, die er Gott förmlich entgegenschreit, haben nichts an Aktualität verloren, ganz im Gegenteil:

 

          „Reiß doch den Himmel auf, und komm herab“

 

          „Ach kämst du doch denen entgegen, die tun, was recht ist“

 

Wir leben in einer Zeit, die so aufgerüttelt wird, wie es schon lange nicht (mehr) der Fall war. Corona ist in aller Munde, betrifft uns alle, trifft viele hart, sehr hart; in der Gesellschaft werden unheilvolle Strömungen und Verwerfungen deutlich; in der Kirche drängt sich - ob man es wahrhaben will oder nicht - die Frage auf, wie sie „überleben“ wird. Wie sehr wünschen wir uns, dass Gott uns da entgegenkommen würde, dass er sich uns zeigen würde, den Himmel aufreißen würde, kommen würde, damit endlich Ruhe, Friede wäre. Da sind wir ganz bei Jesaja.

 

 

 

Das, was Jesaja dann sagt, das kommt weniger gut bei uns an:

 

          „Ja, du warst zornig: denn wir haben gegen dich gesündigt“

 

          „Niemand ruft deinen Namen an, keiner rafft sich auf dazu,

 

          festzuhalten an dir“

 

Raffe ich mich auf, an Gott, an Jesus festzuhalten?

 

„Aufraffen“, das ist mühsam, das ist anstrengend.

 

Ist es mir zu anstrengend, zu mühsam, dass ich mich mit Gott beschäftige?

 

Ja, das ist wirklich mühsam.

 

Wozu sollte denn das tun?

 

„Wozu sollte ich denn einen Gott brauchen?

 

Ich kann mein Leben selber regeln, und das in nahezu uneingeschränkter Freiheit. Stört da nicht dieser Gott, dieser Jesus?

 

Wozu sollte ich einen Gott brauchen?

 

Ich will mein Leben genießen, so gut es geht? Stört da nicht dieser Gott, dieser Jesus? Spaßverderber?

 

Immer gleich mit der „Sünde“ daherkommen, typisch für Kirche und Glaube! Das ist das einzige Argument, das sie haben.“

 

Sind Ihnen solche oder ähnliche Gedanken gekommen? Oder kennen Sie jemanden, der so redet?

 

Es ist schwer, auf diese Gedanken eine Antwort zu geben.

 

Schon alleine deswegen, weil wir es nicht gewohnt sind, Rede und Antwort zu stehen für das, was unsere Hoffnung ist. Weil wir scheinbar keine stichhaltigen Argumente und Beweise kennen.

 

 

 

Hilft uns da auch wieder Jesaja weiter?

 

          „Und doch bist du, Herr, unser Vater.

 

          Wir sind der Ton, und du bist unser Töpfer,

 

          wir alle sind das Werk deiner Hände.“

 

Die Welt, von der wir glauben, dass sie von Gott geschaffen ist, ist keine heile Welt. Es ist eine Welt mit Unglück, Trauer, Tod, Angst, Egoismus, Gleichgültigkeit, Ungerechtigkeit - die Wortreihe ließe sich noch lange, sehr lange fortsetzen.

 

Und da stehen wir wieder vor den Fragen:

 

Gibt es mehr als diese Welt oder nicht?

 

Warum sollte mein Leben einen Mehr-Wert haben?

 

Aber kann denn die Welt nur aus dem Unfrieden und Egoismus geführt werden, wenn sie und die Menschen über sich hinausweisen?

 

Ansonsten wäre das einzig Sinnvolle: Hauen und Stechen. Was sonst?

 

Kann es aber das sein?

 

 

 

Die Gedanken des Jesaja sind die ersten Schriftworte, die wir am Ersten Adventsonntag hören. An Weihnachten werden wir wieder von ihm hören (Jes 9,1-6):

 

          „Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht.“

 

          „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt“

 

          „Man nennt ihn … Fürst des Friedens“

 

 

 

Weihnachten ist jetzt ebenfalls in aller Munde.

 

Was feiern wir an Weihnachten?

 

Stellen wir uns diese Frage ernsthaft.

 

Der Advent ist eine Einladung.

 

Eine Einladung zum großen Fest: nur: der, der einlädt, ist der, der in der Krippe liegt, der, der lebt und zeigt, dass jeder unendlich wertvoll ist, eine unendliche Würde hat, un - endlich angenommen ist.

 

 

 

Vier Adventsonntage wird uns durch die Lichter am Adventskranz sichtbar, dass dieser Jesus uns Licht in die dunkelste und traurigste Ecke unseres Herzens bringt.

 

Jesaja redet von Gott als dem Töpfer, der uns geformt hat.

 

Ein guter Töpfer will nicht, dass sein Werk zerbricht.

 

Erst recht Gott nicht.

 

Und das bedeutet:

 

Wir dürfen uns mit seiner Kraft einsetzen, dass die Welt und das Leben heiler werden, also adventlicher werden.

 

 

 

Einen gesegneten Ersten Adventsonntag

 

wünscht Ihnen

 

Monika Schart, PastRef